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Viele Bürger wissen nicht, wie man Leben rettet

04.06.2013 20:34 -

M Kreis Neuwied. Sollten Erste-Hilfe-Kurse zumindest für Führerscheinbesitzer alle fünf Jahre verpflichtend sein? Solche Auffrischungskurse fordert jedenfalls der DRK-Kreisverband Neuwied im Gespräch mit der RZ. Denn: In Notfällen erleben es die Rettungsärzte und Rettungsassistenten des Roten Kreuzes immer wieder, dass zwar Erste Hilfe geleistet wird, „aber nicht so, ...

Medizin DRK-Kreisverband fordert Auffrischungskurse in Sachen Erste Hilfe

Von unserer Mitarbeiterin

Annette Hoppen

 

M Kreis Neuwied. Sollten Erste-Hilfe-Kurse zumindest für Führerscheinbesitzer alle fünf Jahre verpflichtend sein? Solche Auffrischungskurse fordert jedenfalls der DRK-Kreisverband Neuwied im Gespräch mit der RZ. Denn: In Notfällen erleben es die Rettungsärzte und Rettungsassistenten des Roten Kreuzes immer wieder, dass zwar Erste Hilfe geleistet wird, „aber nicht so, wie wir es gern hätten“, wie Manfred Schubert, Ausbildungsbeauftragter beim Neuwieder DRK, bedauert.

Zwar betont Schubert: „Jede Hilfe ist zunächst einmal besser als gar keine.“ Und: „Bei der Ersten Hilfe kann man nur einen Fehler begehen – nicht zu helfen.“ Allerdings können im Fall der Fälle die richtigen Handgriffe und Maßnahmen auch über Leben und Tod entscheiden. Sprich: Der gute Wille allein ist ehrenhaft – er genügt aber nicht immer.

Im Notfall kann es fatal sein, wenn der letzte Erste-Hilfe-Kurs Jahrzehnte zurückliegt – und die Ersthelfer in hilflose Panik verfallen. Bislang muss ein Erste-Hilfe-Kurs nur im Zuge der Führerscheinprüfung nachgewiesen werden. „Nach 10 oder 20 Jahren bleibt da aber nicht mehr viel hängen“, sagt Manfred Schubert. Hinzu kommt: Auch die Erste Hilfe entwickelt sich weiter. „Seit etwa fünf Jahren gibt es zum Beispiel neue Standards in Bezug auf die stabile Seitenlage und die Herz-Lungen-Wiederbelebung“, ergänzt er. Das DRK Neuwied schult im Jahresschnitt etwa 6500 Teilnehmer in 350 Kursen (Erste Hilfe und lebensrettende Sofortmaßnahmen). Hinzu kommen Angebote beispielsweise von den Maltesern oder von privaten Anbietern.

Allein die Zahlen des DRK sehen auf den ersten Blick recht hoch aus. Doch Schubert relativiert die Aussagekraft der Statistik: „Das Gros davon sind eben Führerscheinanwärter und Teilnehmer, die Ersthelfer in Betrieben und Firmen sind und deswegen regelmäßig an Auffrischungskursen teilnehmen.“ Die Zahl derer, die freiwillig einen Auffrischungskurs belegen, ist dagegen verschwindend gering: Nach Erfahrungen des DRK sind es nicht einmal fünf Prozent der Kursteilnehmer.

Gerade in den regionalen Unternehmen habe in den vergangenen Jahren dagegen ein Umdenken stattgefunden. „Die meisten Firmen sind sehr darauf bedacht, dass ihre Ersthelfer gut geschult sind, und stellen diese auch für Auffrischungskurse frei“, sagt Schubert. Das spiegelt sich dann auch in Notfallsituationen wider: „Besonders bei der Reanimation hat sich die Lage zum Positiven hin gewandelt.“

„Wenn der Rettungsdienst früher zum Einsatzort kam, lagen die Leute mit einem Herzinfarkt zwar mit den Beinen nach oben da, waren aber blitzeblau, weil niemand reanimiert hat.“ Heute laufe das bei derartigen Notfällen in Betrieben aufgrund der gut ausgebildeten Ersthelfer professioneller ab. Anders sieht es aus, wenn zum Beispiel ein Passant in der Fußgängerzone zusammenbricht. „Überhaupt“, ergänzt Schubert, „ist es nicht der klassische Verkehrsunfall, bei dem Erste Hilfe am ehesten gefordert ist.“ Viel häufiger komme es zu Notfallsituationen etwa wegen eines Schlaganfalls, wegen Atemnot, wegen eines Herzinfarktes oder eines Schocks. Angemessene Lagerungen, die stabile Seitenlage oder die Herz-Lungen-Wiederbelebung können dann Schlimmeres verhindern. Wenn man sie denn beherrscht.

RZ Linz, Neuwied vom Dienstag, 4. Juni 2013, Seite 17

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