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150 Jahre gelebte Nächstenliebe

22.03.2013 18:10 -

M Kreis Neuwied. Sie kümmern sich um Verletzte, betreuen Veranstaltungen, helfen anderen in Sachen Erste Hilf“ auf die Sprünge, erledigen den Blutspendedienst und leisten noch vieles mehr: die freiwilligen Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Dass alles einmal mit einem schrecklichen Blutbad begonnen hat, kann sich dabei heute kaum noch jemand vorstellen. Und dass aus kleinen Anfängen ein weltumspannendes ...


Jubiläum DRK-Kreisverband präsentiert sich heute als leistungsfähiger Dienstleister
 

Von unserem Redakteur Marcelo Peerenboom



M Kreis Neuwied. Sie kümmern sich um Verletzte, betreuen Veranstaltungen, helfen anderen in Sachen Erste Hilf“ auf die Sprünge, erledigen den Blutspendedienst und leisten noch vieles mehr: die freiwilligen Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Dass alles einmal mit einem schrecklichen Blutbad begonnen hat, kann sich dabei heute kaum noch jemand vorstellen. Und dass aus kleinen Anfängen ein weltumspannendes Netz der Hilfe und der Nächstenliebe entstanden ist, hat sich vor 150 Jahren auch Henry Dunant nicht träumen lassen.
 
Für den DRK-Kreisverband Neuwied ist das 150-Jahr-Jubiläum nicht nur Anlass, sich auf die Wurzeln der Rotkreuzbewegung zu besinnen. Wie Kreisvorsitzender Klaus Dalpke erklärt, wollen die einzelnen Gruppierungen auch einmal demonstrieren, welches Leistungsspektrum sie heute abdecken. Das tun sie ganz konkret am morgigen Samstag von 11 bis 14 Uhr auf dem Luisenplatz (siehe Hinweis weiter unten).
 
Los ging alles vor genau 150 Jahren mit einem grausamen Gemetzel. In Norditalien prallten Italiener und Franzosen auf der einen und Österreicher auf der anderen Seite aufeinander. In Solferino wollten sich die Norditaliener aus der Umklammerung Österreichs befreien. Franzosen und Italiener entschieden die Schlacht für sich. Zurück blieben 6000 Toten und rund 40 000 Verwundete und Sterbende. Einen Tag nach der Schlacht bekam der 31-jährige Genfer Geschäftsmann Henry Dunant dieses Bild des Grauens zu Gesicht und kämpfte fortan für eine verbesserte Versorgung der Verwundeten. Die eigentliche Geburtsstunde des Roten Kreuzes schlug dann am 17. Februar 1863 in Genf.
 
In Neuwied ist die Geschichte des DRK untrennbar mit dem Fürstenhaus verbunden. Es war 1868, als mit großer Unterstützung von Marie Fürstin zu Wied der Vaterländische Frauenverein Neuwied gegründet wurde. Zu seinen Aufgaben zählte die Fürsorge für kranke und verwundete Soldaten sowie die Unterstützung von Soldaten, Witwen und Waisen. Im Kriegsfall sollten die Frauen Wäschestücke und Verbandsmaterial anfertigen und „das Vaterland nach Frauenart und Frauenkräften“ unterstützen.
 
Bekanntlich dauerte es nicht allzu lange, bis genau dieser Kriegsfall eintrat: Im Ersten Weltkrieg wurde ein Kriegshilfebüro zur Koordination der Hilfsaktionen eingerichtet. Die Arbeit der Nähstuben, der Erfrischungs- und Verbandsstellen wurde von dort koordiniert. Auch um Hinterbliebene kümmerten sich die Mitglieder des Vaterländischen Frauenvereins. Pauline Fürstin zu Wied, die vor Beginn des Kriegs nach Neuwied gezogen war und den Vorsitz des Vereins übernommen hatte, leitete alle Vorbereitungen und sorgte für Vorräte an Verbandsmaterial.
 
Und in Zeiten des Friedens machten sie sich um Einrichtungen für Arme und Kinder verdient. Die damaligen Suppenküchen sind gewissermaßen die frühen Vorläufer der heutigen Tafeln.
 
Der Neuwieder Ortsverein des Roten Kreuzes, der aus dem Vaterländischen Frauenverein hervorgegangen ist, ist mit seinen mehr als 140 Jahren der älteste im gesamten Kreis Neuwied. Heute präsentiert sich der DRK-Kreisverband als leistungsfähiger Zusammenschluss von 13 einzelnen Ortsvereinen, in dem 475 aktive Mitglieder organisiert sind. Hinzu kommen 11 500 Fördermitglieder. Zudem gibt's 11 000 Blutspender.
 
Längst geht es um weit mehr als „nur“ um die Versorgung von Verletzten. Rotkreuzler gehören an vielen Stellen zum täglichen Leben: So verteilen Mitglieder an 55 Schulen im Kreis Neuwied das Schulobst, sie betreuen ältere Mitbürger, denen sie durch den Hausnotruf ein Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen, sie betreuen die 90 Kleidercontainer, die in nahezu jedem Dorf zu finden sind und die für das DRK eine wichtige Einnahmequelle darstellen. Eine wichtige Aufgabe ist zudem die Ausbildung in Erster Hilfe: 6300 Personen haben Rotkreuzler allein im vergangenen Jahr ausgebildet. Mit dieser ansehnlichen Zahl belegt der DRK-Kreisverband Neuwied Platz drei in ganz Rheinland-Pfalz.
 
All das ist längst nicht mehr nur ehrenamtlich zu leisten. Das Deutsche Rote Kreuz ist in der Region auch ein bedeutender Arbeitgeber geworden, sei es als Träger des DRK-Krankenhauses in Neuwied, als Verantwortlicher für die Rettungsleitstelle in Montabaur oder auch als Betreiber der DRK-Geschäftsstelle in Neuwied. Im Haus an der Pfarrstraße arbeiten neben dem hauptamtlichen Geschäftsführer Karl-Heinz Pieper sieben weitere Beschäftigte, die beruflich für den DRK-Kreisverband tätig sind. Sie sind für das Rechnungswesen, die Ausbildung, die Mitgliederverwaltung, den Hausnotruf und vieles mehr verantwortlich.
 
Eines hat sich aber in 150 Jahren nicht geändert: Die sieben Grundsätze lauten auch im Jahr 2013 Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität. Henry Dunant würde es sicher gefallen.
 
RZ Linz, Neuwied vom Freitag, 22. März 2013, Seite 26

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