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Flüchtlingscamp ist zu 40 Prozent belegt

25.01.2016 15:59 -

Asylbewerber Die RZ sprach mit Neuwieds Sozialdezernent über die neueste Entwicklung

Von unserem Redakteur

Frank Blum

 

M Neuwied. Wenn es fertig ausgebaut ist, bietet es Platz für 750 Menschen, momentan leben rund 300 Asylbewerber im Camp an der Krasnaer Straße in Block. Seit rund einem Monat läuft der Betrieb dort: Neuwieds Sozialdezernent Michael Mang zieht auf RZ-Anfrage ein erstes Fazit.

Und das fällt positiv aus. Was zunächst daran liegt, dass ...

... der Aufbau des Containerdorfs rasche Fortschritte machte – nicht zuletzt aufgrund des bis vor Kurzem sehr milden Winters. „Wir liegen vor dem Zeitplan“, lobt Mang Organisatoren und Bauarbeiter. „Wir hatten somit keine zeitlichen Probleme mit dem Umzug der bislang in der Turnhalle am Raiffeisenring untergebrachten Flüchtlinge.“ Im Vergleich zur Turnhalle sei die Unterkunft in Block deutlich besser, so Mang. Er sei zufrieden, dass die Arbeiten derart rasch vorangehen, denn nun könne man darangehen „Strukturelles intensiver zu behandeln“. Damit bezieht er sich unter anderem auf Fragen der Belegung oder das Umsetzen von Ideen der Ehrenamtlichen.

„Jetzt geht es vor allem darum, die Bewohner des Camps in die Verantwortung einzubinden, ihnen einen strukturierten Alltag zu geben“, formuliert der Dezernent die weiteren Ziele. So könnten sie beispielsweise Putzdienste eigenständig regeln oder einen Fahrradverleih organisieren. Eine Anleitung zur Selbstorganisation also. Am wichtigsten ist laut Mang allerdings, eine Frage zu klären: „Was geschieht nach dem Sprachkurs? Denn auf lange Sicht ist die gewünschte Integration nur über eine Beschäftigung möglich.“

Auch kleinere Problemfelder hat der Sozialdezernent ausgemacht. Obwohl es eigentlich der Wunsch der Flüchtlinge war, sich selbst um das Essen zu kümmern, bereitet das doch manchen Schwierigkeiten. Auch die im Vergleich zur Turnhalle größere Entfernung zur Stadtmitte kritisieren einige. Auch die außerhalb der eigentlichen Container gelegenen Toilettenanlagen finden nicht ungeteilten Beifall. Zudem bemühe sich die Stadt um eine verbesserte Ausstattung mit WLAN-Anschlüssen.

„Mancher Neuankömmling ist auch enttäuscht“, berichtet Mang – und hat dafür Verständnis. „Wer aus der Erstaufnahmestation kommt, erwartet häufig, eine eigene Wohnung zugewiesen zu bekommen, um in Ruhe die Fluchterfahrungen zu verarbeiten. Stattdessen kommt er in ein anderes Camp.“ Mit den Verantwortlichen in den Erstaufnahmelagern sei man daher in engeren Kontakt getreten, um die Betroffenen schon im Vorfeld über die Art der Unterbringung aufzuklären.

Mit dem DRK, das auch die Einrichtung leitet, hat man laut Mang einen erfahrenen Partner gewonnen, der über das notwendige Know-how verfügt. Neben dem DRK sind momentan nur noch die Security-Mitarbeiter am Ort sowie eine Sozialarbeiterin der Verwaltung, die sich jedoch bald um die Menschen kümmert, die in Wohnungen eine Bleibe gefunden haben. Das sind laut Mang ebenfalls rund 300, die auf 90 angemietete Wohnungen verteilt sind.

Das Ziel, die Flüchtlinge möglichst dezentral unterzubringen, strebt die Verwaltung weiterhin an. Im Fokus stehen dabei vor allem Familien. Die Behörden versuchen, sie erst gar nicht ins Camp zu schicken. „Falls das doch einmal geschehen muss, sind sie die Ersten, die wieder ausziehen können“, unterstreicht Mang.

Der Sozialdezernent berichtet, dass man momentan zwar noch einen kontinuierlichen Zustrom von Asylbewerbern verzeichne, doch der werde sich verringern, wenn wie von der Landesregierung angekündigt, künftig aus den Erstaufnahmeeinrichtungen nur noch 1000 statt 1500 Flüchtlinge auf die Kreise und Städte verteilt werden. „Damit haben wir etwas mehr Puffer“, meint Mang dazu. Schon jetzt ist absehbar, dass das Camp, wenn es Ende April vollständig aufgebaut ist, „auf gar keinen Fall“ voll belegt sein wird.

Der Beigeordnete findet indes durchaus kritische Worte für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). „Die Kommunen brauchen Planungssicherheit, doch die von Bundesinnenministerium und Bamf vorgelegten Zahlen sind oft ungenau. Daher besteht die Gefahr, dass wir am echten Bedarf vorbeiplanen“, berichtet Mang.

RZ Kreis Neuwied vom Montag, 25. Januar 2016, Seite 19

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