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Defibrillator hilft dem Helfer, Leben zu retten

14.06.2013 20:28 -

Notfall Gerät analysiert Patienten und versetzt bei Herzflimmern einen Elektroschock

Von unserer Redakteurin Dorothea Müth

M Kreis Neuwied. Er ist handlich und kann Leben retten, ist aber dennoch kaum verbreitet und vor allem zu wenig bekannt: der Defibrillator. Das Gerät versetzt Menschen, deren Herz stillsteht oder unregelmäßig flimmert, einen Elektroschock und kann sie so vor dem plötzlichen Herztod ...

Notfall Gerät analysiert Patienten und versetzt bei Herzflimmern einen Elektroschock

Von unserer Redakteurin

Dorothea Müth

 

M Kreis Neuwied. Er ist handlich und kann Leben retten, ist aber dennoch kaum verbreitet und vor allem zu wenig bekannt: der Defibrillator. Das Gerät versetzt Menschen, deren Herz stillsteht oder unregelmäßig flimmert, einen Elektroschock und kann sie so vor dem plötzlichen Herztod bewahren. Das Beste an ihm ist aber, dass er den Zustand des bewusstlos gewordenen Patienten selbstständig analysiert und den Helfern so einfache und genaue Anweisungen gibt, „dass man praktisch nichts falsch machen kann“, sagt Michael Mang von der Kreisverwaltung.

Der Automatische Externe Defibrillator (AED) ist etwa 20 mal 20 mal 10 Zentimeter groß. „Sobald man ihn anschaltet, gibt er alles vor“, bestätigt Manfred Schubert, Ausbildungsleiter beim Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes. Sein Kollege Christian Spliethofe drückt die Einschalttaste, und los geht's: „Achtung, folgen Sie den Anweisungen des Geräts“, tönt eine Stimme aus dem Apparat. „Veranlassen Sie den Notruf.“

Nach kurzer Pause geht es weiter: „Gesamte Kleidung vom Brustkorb des Patienten entfernen. Klebeelektroden entnehmen und Zeichnungen beachten.“ Direkt auf den Zetteln, an die die beiden Elektroden geheftet sind, sowie auf dem Gerät ist aufgezeichnet, wo die Elektroden anzubringen sind, und die automatische Stimme erklärt es zusätzlich: eine auf der rechten Körperhälfte unterhalb der Schulter, die andere auf der linken Körperhälfte am Rippenbogen unter der Achsel – darunter liegt nämlich die Herzspitze. „Den Patienten nicht berühren“, heißt es jetzt.

Nur so und mittels der Elektroden kann der AED den Zustand des Bewusstlosen nun genau ermitteln: Steht sein Herz komplett still – oder leidet er am sogenannten Kammerflimmern? Den unregelmäßigen Herzschlag beim Flimmern „bekommt man ohne Elektroschock nicht weg“, sagt Spliethofe. Und: „Selbst wenn man den Puls des Patienten von Hand fühlen könnte, was nicht immer der Fall ist, könnte man Flimmern oder normalen Herzschlag nicht unterscheiden.“

Flimmert das Herz, bereitet der AED einen Elektroschock vor: Auch dabei darf der Helfer den Patienten nicht berühren. Er löst den Schock per Tastendruck aus. Die Hoffnung ist, dass das Herz dadurch wieder normal zu schlagen beginnt. Bleibt es stehen oder stand schon still, fordert der AED den Helfer zur Druckmassage auf: 30-mal den Brustkorb drücken, zweimal beatmen.

„Alle zwei Minuten kontrolliert das Gerät den Zustand des Patienten erneut“, so Spliethofe. Es überbrückt die Zeit, bis der Rettungsdienst eintrifft, effektiv: Je früher man bei einem Herzflimmern mit dem Elektroschock beginnt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass bleibende Schäden entstehen.

Ersthelfer wie Mang fordern deshalb auch auf politischem Wege, dass Defibrillatoren „auf alle öffentlichen Plätze und in Altenheime gehören – da wo viele und alte Menschen sind“. In Koblenz und München gebe es Beispiele dafür. Die Geräte ohne automatischen Notruf, die rund 1000 Euro kosten, finanziert etwa die Björn-Steiger-Stiftung mit ihrer Kampagne gegen den plötzlichen Herztod, den in Deutschland täglich rund 270 Menschen sterben.

Auch das DRK teilt diesen Wunsch. „Es sollten jedoch auch mehr Menschen Erste-Hilfe-Kurse machen, weil sie sich erfahrungsgemäß dann eher den Umgang mit dem Gerät zutrauen, obwohl er ja so einfach ist“, sagt Spliethofe.

RZ Linz, Neuwied vom Freitag, 14. Juni 2013, Seite 19

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